Initiativbewerbung: so überzeugst du ohne Stellenanzeige
Ohne Ausschreibung bewerben: Recherche, Ansprechpartner, Formulierung und der richtige Zeitpunkt zum Nachfassen.
Bei einer Initiativbewerbung bewirbst du dich, ohne dass eine Stelle ausgeschrieben ist. Das klingt aussichtslos, ist es aber nicht: Ein erheblicher Teil der Stellen wird nie öffentlich ausgeschrieben, weil sie intern oder über Kontakte besetzt werden. Wer zum richtigen Zeitpunkt auf dem Tisch liegt, hat keine Konkurrenz.
Der Preis dafür ist Aufwand. Eine Initiativbewerbung, die wie ein Serienbrief aussieht, landet sofort im Papierkorb.
Die richtigen Unternehmen finden
Statt breit zu streuen, arbeite mit einer kurzen, durchdachten Liste von zehn bis zwanzig Unternehmen. Suche gezielt nach:
- Betrieben in deiner Region mit passender Branche
- Unternehmen, die wachsen – Meldungen über neue Standorte, Investitionen oder Übernahmen sind gute Anlässe
- Firmen, die ähnliche Stellen in der Vergangenheit ausgeschrieben hatten
- Zulieferern und Kunden deines aktuellen Arbeitgebers, sofern das für dich in Frage kommt
Ein konkreter Anlass ist Gold wert. „Ich habe gelesen, dass Sie in Fürth einen zweiten Standort aufbauen" ist ein Einstieg, den kein Serienbrief hat.
Den Ansprechpartner finden
Eine Initiativbewerbung an „Sehr geehrte Damen und Herren" hat kaum Chancen. Ruf an und frage, an wen du deine Unterlagen richten sollst. Bei kleineren Betrieben ist das oft die Geschäftsführung, bei größeren die Personalabteilung oder direkt die Fachabteilung.
Der Anruf hat zwei Vorteile: Du bekommst den Namen, und du kannst im Anschreiben darauf Bezug nehmen. „Wie mit Ihnen telefonisch besprochen" öffnet Türen.
Das Anschreiben
Der Aufbau ähnelt einer normalen Bewerbung, aber drei Dinge sind anders:
Erstens der Einstieg. Du musst erklären, warum du dich meldest, obwohl nichts ausgeschrieben ist. Ein konkreter Bezug zum Unternehmen ist hier Pflicht.
Zweitens der Nutzen. Weil es keine Anforderungsliste gibt, an der du dich entlanghangeln kannst, musst du selbst formulieren, welches Problem du lösen kannst. Überlege, wo ein Betrieb dieser Größe und Branche typischerweise Bedarf hat.
Drittens die Offenheit. Benenne den Bereich, in dem du arbeiten willst, aber lass Spielraum. „Im Bereich Einkauf oder Disposition" ist besser als eine exakte Stellenbezeichnung, die es dort vielleicht nicht gibt.
„Sehr geehrter Herr Weber,
in der Regionalpresse habe ich gelesen, dass Sie Ihre Produktion in Fürth erweitern. Wenn dabei auch die Beschaffung wächst, würde ich Sie gern dabei unterstützen. Seit vier Jahren verhandle ich Rahmenverträge mit rund 30 Lieferanten und habe zuletzt die Materialkosten für zwei Produktionslinien um 12 Prozent gesenkt."
Die Unterlagen
Anschreiben und Lebenslauf sind Pflicht. Zeugnisse kannst du beilegen oder anbieten, sie auf Wunsch nachzureichen – bei einer Initiativbewerbung ist eine schlanke Datei angenehmer.
Halte das Anschreiben kurz. Bei einer unaufgeforderten Bewerbung ist die Aufmerksamkeitsspanne kürzer als bei einer angeforderten.
Nachfassen
Kündige im Anschreiben an, dass du dich melden wirst, und halte dich daran. Etwa zehn bis vierzehn Tage nach dem Versand ist ein guter Zeitpunkt für einen kurzen Anruf.
„Guten Tag Herr Weber, ich hatte Ihnen vor zwei Wochen meine Unterlagen geschickt. Ich wollte kurz nachfragen, ob sich für Sie ein Ansatzpunkt ergeben hat."
Auch eine Absage ist ein Ergebnis. Frage dann, ob deine Unterlagen im Bewerberpool bleiben dürfen – daraus entstehen erfahrungsgemäß später oft Gespräche.
Realistische Erwartungen
Die Rücklaufquote ist niedriger als bei ausgeschriebenen Stellen. Rechne damit, dass von zwanzig gut gemachten Initiativbewerbungen vielleicht zwei bis vier zu einem Gespräch führen. Das ist normal und kein Zeichen dafür, dass deine Unterlagen schlecht sind.
Wie du das Anschreiben grundsätzlich aufbaust, steht unter Anschreiben schreiben.
Häufige Fragen
Was ist eine Initiativbewerbung?
Eine Bewerbung ohne konkrete Stellenanzeige: Du bietest dich aktiv bei deinem Wunsch-Arbeitgeber an.
Worauf kommt es bei der Initiativbewerbung an?
Auf klaren Bezug zum Unternehmen, konkreten Mehrwert und den passenden Ansprechpartner.
Wie erhöhe ich die Erfolgschance?
Vorher anrufen, den Ansprechpartner recherchieren und individuell statt mit Massen-Anschreiben bewerben.
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